HG5621 - Faltenperspektive "Der Themse Tunnel" - Faltenperspektive (Volkskunde-Spielzeug-Judaica)

Sammlung
Volkskunde-Spielzeug-Judaica
Inventarnummer
HG5621
Allgemeine Bezeichnung
Faltenperspektive
Besitzverhältnis
aus Altbestand
Herstellungsdatum
um 1850
Material und Technik
Faltperspektive, Papier, Feder- und Kreidelithografie, koloriert;
Maße
H. 16 cm, B. 20,6 cm, T. 1,3 cm (geschlossen); L. 16 cm, B. 20,6 cm, T. ca. 44 cm (geöffnet)
Beschreibung
Der Deckel des Leporello trägt Beschriftungen in deutscher, französischer und englischer Sprache und richtet sich somit an eine internationale Zielgruppe. Die Darstellung zeigt die beiden Eingangsbögen des 1843 eröffneten Themsetunnels. Dieser war der weltweit erste Tunnel, der unter einem Fluss verlief. Ursprünglich für Kutschen errichtet, diente er zunächst als Fußgänger- und später als Eisenbahntunnel. Drei Gucklöchern sind in den Deckel eingschnitten: Sie gewähren Einblick in das Innere der Faltperspektive.

Provenienz
Altbestand
Provenienz
Am 1. Juli 1843 berichtete die Leipziger „Illustrirte Zeitung“ euphorisch von einer Pionierleistung des modernen Ingenieurbaus, dem am 25. März eröffneten Themsetunnel, der über eine Länge von fast 400 Metern die Londoner Stadtteile Tower Hamlets und Southwark miteinander verband: „Hätte der menschliche Scharfsinn aus den ‚sieben‘ Wundern der Welt nicht längst siebenhundert gemacht, so würde der Themsetunnel jedenfalls für das achte Weltwunder gelten. Dieses kühne Unternehmen, zwischen den Ufern eines breiten und tiefen Flusses, ohne alle Behinderung der Beschiffung eine Verbindung herzustellen, war und bleibt wahrscheinlich viele Jahrhunderte unvergleichlich.“ Das 1825 begonnene Bauwerk erlangte nicht nur über Zeitungsartikel internationale Berühmtheit (Kat. 301). Etwa 20 verschiedene Versionen von Faltperspektiven entstanden zu dem Fußgängertunnel, bot er doch eine ideale Vorlage gerade für diese Illusionsmedien: Die ähnlich einem Guckkasten funktionierenden, papiernen Konstruktionen bestehen aus mehreren hintereinander gestaffelten und miteinander verbundenen Kulissen, sind wie eine Harmonika auseinanderzuziehen und erzeugen so beim Betrachten durch die Öffnungen auf der Vorderseite die Wirkung eines sich weit in die Tiefe erstreckenden Raumes. Als optisches Bildungsspielzeug im Taschenformat erfreuten sich Faltperspektiven Mitte des 19. Jahrhunderts großer Beliebtheit. Ihre meist mehrsprachigen Beschriftungen lassen auf eine internationale Verbreitung schließen. Häufig wurden dabei technische Großprojekte der Zeit gewürdigt, wie die 1835 eröffnete Ludwigseisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth oder der 1850 begonnene Ludwigskanal, der Main und Donau mittels eines schiffbaren Wasserweges verbinden sollte.
Klassifikation
Papierbild & Faltperspektive
Literatur
Wege in die Moderne : Weltausstellungen, Medien und Musik im 19. Jahrhundert ; Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg vom 27. März - 21. September 2014 / hrsg. von Jutta Zander-Seidel und Roland Prügel. Nürnberg 2014, Kat.Nr. 354
Ralph Hyde: Paper Peepshows. The Jacqueline and Jonathan Gestetner Collection. Woodbridge 2015, Kat. Nr. 155.
Stephan Oettermann: Lewis - Danube - Meine - Channel. Ziehharmonika-Guckkasten des Ludwigs-Kanal zwischen Donau und Main. In: Sehsucht. Das Panorama als Massenunterhaltung des 19. Jahrhunderts. Ausst.Kat. Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Bonn. Hrsg. von Marie Louise von Plessen. Basel / Frankfurt 1993, S. 277.
Georg Füsslin: Der Guckkasten. Einblick, Durchblick, Ausblick. Stuttgart 1995.
Helmut Hilz: Gedruckte Perspektiven – Drei Werke, die auch Skeptiker vom Nutzen des Bahnfahrens überzeugen sollen. In: Kultur & Technik 30, 2006, Nr. 4, S. 34–35.
Weiterführend: Illustrirte Zeitung 1, 1843, Nr. 1, 1. 07. 1843, S. 5 – 7, Zitat S. 5.
William A. Drew: Glimpses and gatherings, during a Voyage and Visit to London and the Great Exhibition, in the summer of 1851. Augusta/Boston 1852, S. 242-249.
Konservatorische Bedingungen
19-23 °C50% / +-5 rF50 lx, nicht dauerhaft; 36.000 lxh/JahrgerahmtVitrine, abschliessbarKlimavitrine, abschliessbarAlarmsicherung der RäumeAlarmsicherung der VitrineAufsicht während der ÖffnungszeitenWache während der Schliesszeiten0.5 mW/m²
Restaurierungswerkstatt
Volkskundliche Objekte
Bearbeiter (Restaurierung)
Ilona Stein
Objekt in Ausstellung
Nein
Gruppennummer
13.1 Fortbewegung
Objekte der Gruppe
Änderungsdatum
24.06.2025