Pl.O.3604 - Affe mit Schädel/"Eritis sicut deus" - Bronzefigur - Rheinhold, Hugo (Kunst u. Kunsthandwerk 19. Jh.)

Sammlung
Kunst u. Kunsthandwerk 19. Jh.
Inventarnummer
Pl.O.3604
Allgemeine Bezeichnung
Bronzefigur
Besitzverhältnis
Geschenk
Vorbesitzer/Leihgeber
Dr. Schleyer, Manfred
Name des Herstellers
Rheinhold, Hugo
Aktiengesellschaft H. Gladenbeck & Sohn, Berlin-Friedrichshagen
Herstellungsort
Berlin
Material und Technik
Bronze, teilweise gefasst
Maße
H. 32 cm, davon Sockel: 3 cm
Beschreibung
Das Werk zeigt einen Schimpansen, der auf einem Stapel Folianten sitzt und in Denkerpose einen menschlichen Schädel in seiner Hand betrachtet. Mit dem rechten Fuß hält er einen Messzirkel, ein Instrument des Anthropologen. Auf einem der Buchrücken ist zu lesen: „DARWIN“. Zu Füßen des Affen steht ein aufgeschlagenes Buch, auf dessen rechter aufgeschlagener Seit oben zu lesen ist: „ERITUS SICUT DEUS“ („Ihr werdet sein wie Gott“). Der untere Teil der Seite scheint herausgerissen zu sein. Somit fehlt die Fortsetzung: „Scientes bonum et mallum“ („wissen, was gut und böse ist!“). Es handelt sich dabei um ein Zitat aus der Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments, 1. Buch Mose, Kap. 3, Vers 5. In Gestalt der Schlange spricht der Teufel diese Worte zu Adam, und Eva, um sie zu verführen, die Früchte vom Baum der Erkenntnis zu probieren. Es folgt die Vertreibung aus dem Paradies.
Hugo Rheinhold schuf mit dieser Plastik ein vielschichtiges Werk: Es greift den Konflikt zwischen kirchlicher Lehre und wissenschaftlicher Erkenntnis auf mit Bezügen zu Darwin und dessen Evolutionstheorie, zu Kraniologie und Anthropologie. In humorvoller Weise wird die übliche Subjekt-Objekt-Beziehung umgekehrt: Der Affe forscht und denkt über den Menschen nach. Das Bibel-Zitat erscheint als Mahnung zur Wissenschaftsethik. Es spielt auf die Gefahren an, die aus menschlicher Selbstüberschätzung, unreflektiertem Fortschrittsglauben und unkritischer Wissenschaft erwachsen können.
Darüber hinaus zitiert die Skulptur Auguste Rodins Der Denker (1888) bzw. Michelangelos Il Pensiero (Grabmal des Lorenzo di Medici, 1520-1534) und die bekannte Friedhofsszene aus William Shakespeares Hamlet. Die Skulptur erfreute sich seit ihrer Entstehung großer Beliebtheit bei Medizinern und Naturwissenschaftlern.
Hugo Rheinhold entstammte einer jüdischen Familie, war zunächst als Unternehmer tätig und wandte sich erst 1886 der Bildhauerei zu. Der Affe mit Schädel war sein Meisterstück und Abschluss seines Studiums in Berlin.
Provenienz
Schenkung 2024 von Dr. Manfred Schleyer. - Erworben am 27.06.2024 bei Yves Siebers Auktionen, Stuttgart, Los 1388.
Provenienz
Literatur
Jochen Richter und Axel Schmetzke: Der philosophische Affe und die Eulen der Minerva. In: Horst Kant und Annette Vogt: Aus Wissenschaftsgeschichte und -theorie. Hubert Laitko zum 70. Geburtstag überreicht von Freunden, Kollegen und Schülern. Berlin 2005, S. 11-31.
Objekt in Ausstellung
Ja
Gruppennummer
13.2 Fortschritt Medizin Naturwissenschaft
Objekte der Gruppe
Änderungsdatum
12.12.2024
Weitere Bilder