LGA3722 - Becken (Gewerbemuseum)

Sammlung
Gewerbemuseum
Inventarnummer
LGA3722
Allgemeine Bezeichnung
Becken
Besitzverhältnis
Unbekannt
Herstellungsdatum
1874
Herstellungsort
Nürnberg
Material und Technik
Kupfer, versilbert
Maße
Dm. 46 cm
Beschreibung
Taufbecken, zugehörig zur Kanne, LGA 3721. Galvanoplastisches Nachbildung des Originals von Caspar Enderlein, von 1611 für die Lorenzkirche in Nürnberg.
Entwurf von Caspar Enderlein:
E., seit Februar 1574 Lehrling H. Friderichs in Basel, ging 1583 als Geselle nach Nürnberg, der bedeutendsten Produktionsstätte für|Zinngerät, wo er 1584 auch als Meistersinger bezeugt ist. Am 2.12.1584 erhielt er nachträglich für 2 Jahre von Basel aus Urlaub, besaß also noch das Basler Bürgerrecht. 1586 wurde er Bürger und Meister in Nürnberg, nachdem er hier 1585 sein Meisterstück bei Melchior Koch III angefertigt hatte. 1603-06 und 1613-16 stand er als einer der drei Geschworenen mit an der Spitze der Kannengießer. – E., der nur wenige Gesellen beschäftigte, soll als erster „hangende Leuchter“ aus Zinn gegossen haben. Seine Gußmodelle für Prunkschüsseln, Kannen und Teller aus Zinn tragen figürliche und ornamentale Reliefs im Renaissancestil; seine Temperantiaschüssel und -kanne, ziemlich genaue, jedoch dem deutschen Stilempfinden angepaßte Kopien nach François Briot, erregten mit ihrem neuartigen Reliefdekor die Bewunderung der Zeitgenossen. Für andere Werke können Stichvorlagen unter anderem von E. Delaune nachgewiesen werden. Mit dem „sculpebat“ auf verschiedenen, nach Vorbild Briots mit eigenem Porträtmedaillon versehenen Tellern bezeichnet sich E. als Formenschneider. Monogramme CE und Jahreszahlen (1608–21) treten am gegossenen Stück erhaben auf. Die für jeden Gießer vorgeschriebene Meistermarke ist für E. bisher nicht nachzuweisen; der größte Teil der von ihm signierten Gegenstände trägt Marken anderer Nürnberger Gießer, die seine Gußformen teilweise noch weit ins 18. Jahrhundert hinein verwendeten. E.s Bedeutung liegt in der technisch meisterhaften Anfertigung der Gußmodelle sowie in der Vermittlung der französischen Renaissanceformen auf dem Gebiet des Zinngusses nach Deutschland.

Provenienz
Am 10. Dez. 1874 von der Galvan.pl. Abteilung für fl. 21.-- gekauft.
Provenienz
Literatur
Landesgewerbeanstalt Bayern (Hg.): Das Gewerbemuseum der LGA im Germanischen Nationalmuseum. Nürnberg 1989, S. 124, Nr. 84. Silvia Glaser: Original und Kopie. Galvanoplastische Nachbildungen im Gewerbemuseum Nürnberg. In: Klaus Pechstein / Heiner Meininghaus / Ursula Timann / Claudia Siegel-Weiß: Schätze deutscher Goldschmiedekunst von 1500 bis 1920 aus dem Germanischen Nationalmuseum, Berlin 1992, S. 74-77. Schiedlausky, Günther, "Enderlein, Caspar" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 493 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132460548.html#ndbcontent.
Daniela C. Maier: Kunst – Kopie – Technik : galvanoplastische Reproduktionen in Kunstgewerbemuseen des 19. Jahrhunderts. Berlin 2022
Standort
12 Südwestbau, EG, Sammlung (12.1.01)
Objekt in Ausstellung
Ja
Gruppennummer
13.4 Industrialisierung
Objekte der Gruppe