LGA4913 - Lederkasten mit Farbpulverproben - Fa. Wilhelm Sattler, Schweinfurt (Gewerbemuseum)

Sammlung
Gewerbemuseum
Inventarnummer
LGA4913
Allgemeine Bezeichnung
Lederkasten mit Farbpulverproben
Besitzverhältnis
Unbekannt
Name des Herstellers
Fa. Wilhelm Sattler, Schweinfurt
Herstellungsdatum
um 1870
Herstellungsort
Schweinfurt
Material und Technik
Koffer: Holz, mit dünnem Lederüberzug; Innen: Seidenfutter. Tableaus aus Holz mit EInteilung für jeweils 20 Röhrchen. Röhrchen aus Glas mit Korkverschluss. 11 Röhrchen fehlen. Die Röhrchen sind beschriftet mit einem schmalen Papierband, auf dem die Farbe mit einer Nummer geschrieben ist. Die Innenseite des Deckels hat in Gold eine Beschriftung: W SATTLER, darunter Farben - Bleiweiß - Fabrik (in Fraktur) Darunter SCHWEINFURT.
Maße
Koffer: L 32,9 cm; B 24,6 cm; H 7,1 cm.
Beschreibung
Der Kasten läßt sich sowohl vorne, wie auch seitlich öffnen. Er enthält drei Tableaus mit jeweils 20 Glasröhrchen, in denen Farbpulver enthalten ist.
11 Röhrchen fehlen.
Im Dez. 1877 kam dieser Koffer mit insgesamt 169 Farbpulverröhrchen in die Sammlung des Bayr. Gewerbemuseums. Der Koffer diente dem Firmengründer Wilhelm Sattler (1784-1859) als Musterkoffer für seine Reisen zu Kunden etc. Sattler, Sohn eine wohlsituierten Kaufmanns, war frühzeitig zum Kaufmann ausgebildet worden. Zusammen mit seinem Apothekerfreund Friedrich Wilhelm Russ betrieb er chemische Versuche zur Farbenherstellung. 1814 war die Herstellung des sog. Schweinfurter Grüns großtechnisch möglich. Obwohl die Farbe hochgiftig war, war ihr Vertrieb ein großer Erfolg für Sattler. 1822 erwarb er Schloss Mainberg, wo er zusätzlich eine Tapetenfabrik einrichtete, in der auch das Schweinfurter Grün, aber auch andere Farben verarbeitet wurden. 1829 gründete er eine Steingutfabrik. 1826 erwarb er eine Mühle zur Sagoproduktion in Langensalza.
Der Unternehmer war sehr erfolgreich. 1847 schließlich erbaute er eine Farben- und Sagofarbik in Prag-Smichow.

Obwohl die Presse im frühen 19. Jh. Artikel (1839) von Kritikern der Farbproduktion berichtete, dass die Farben Sattlers teilweise hoch giftig seien, produzierte Sattler unter dem Schutz des Königs weiter seine Farbe. Erst 1882 wurde Schweinfurter Grün in Deutschland verboten.

Wie sich 2013 bei der Sanierung des Gebietes um Schonungen (Ldkr. Schweinfurt, früherer Standort der Farbenfabrik)) deutlich wurde, war der Boden hochgradig verseucht mit Arsen, Blei und Cadmium. An einigen Stellen waren die Grenzwerte der drei Gifte in der Erde um mehr als das 3000 fache des Erlaubten erhöht. Die Erde musste systematisch abgetragen werden.

Provenienz
Erw. 1877 vom Hersteller für M 20,--.
Provenienz
Standort
02 Kartäuserbau, 2.UG, Depot (2.02.01)
Konservatorische Bedingungen
19-23 °C50% / +-5 rF50 lxgerahmtVitrine, abschliessbarKlimavitrine, abschliessbarAlarmsicherung der RäumeAlarmsicherung der VitrineAufsicht während der ÖffnungszeitenWache während der Schliesszeiten< 10 µW/lm bzw. < 0.5 mW/m2
Restaurierungswerkstatt
LGA
Gemälde Skulpturen
Bearbeiter (Restaurierung)
Bettina Guggenmos
Martin Tischler
Status
erledigt
Montage
"Aufsteller"
Objekt in Ausstellung
Nein
Gruppennummer
13.4 Industrialisierung
Objekte der Gruppe
Änderungsdatum
07.03.2024
24.06.2025