VK2341 - Spieluhr (Volkskunde-Spielzeug-Judaica)
Sammlung
Volkskunde-Spielzeug-Judaica
Allgemeine Bezeichnung
Spieluhr
Herstellungsdatum
19. Jh.
Material und Technik
Nadelholz (?), furniert, Laufwerk mit Walze und Federgehäuse: Messing, Abtastwerk: Eisen, acht Schalenglocken;
Maße
Gehäuse H.. 19,3; B. 42,5 cm; T. 21,5 cm; H. mit geöffnetem Deckel 37 cm
Beschreibung
Spieldose unbekannter Produktion. Gehäuse querrechteckig aus Nadelholz (?), die Seitenteile eingenutet, Außenseite mit horizontal-striefiger Maserlasur, Vorderseite mit zwei parallel verlaufenden eingeritzten Rillen. Deckel mit umlaufendem Wurzelholzfurnier, zentriert eingelegtes Stilleben (Pflaumenzweig; Furnier löst sich). Frontseite und Rückseite mit je zwei Messingschrauben, die im Innern die Gussplatte mit dem Spielwerk halten.
Das Gehäuse ist innen schwarz lackiert und mit zwei herausnehmbaren, genuteten Schieden in drei Teile gegliedert. In der Mitte das Spielwerk, das bei geöffnetem Deckel durch eine mattierte Glasscheibe mit sechszackigem Sterndekor im schwarzen Holzrahmen abgedeckt wird (vermutlich spätere Zutat). Im rechten Feld zwei Messinghebel (oben Auswahl der Musikstücke, unten Start-Stop), unterhalb der Walze weiterer Hebel zum Ein- und Ausschalten des Glockenwerks. Im linken Feld ein geschwungener Messinghebel, mit dem das Federwerk aufgezogen wird.
Walze und Laufwerk aus Messing, Spielkamm mit 101 Zähnen aus vernickeltem Eisen (?), das Werk auf eine Messingplatine geschraubt. Das Laufwerk ist funktionsfähig und wird durch unterschiedliche Glöckchen ergänzt, die ineinander auf einer Welle im Untergehäuse verborgen sitzen.
Scharniere und Kastenschloss aus Messing, Schlüsselbuchse aus Bein; keine Titelliste.
Provenienz
Geschenk von Friedrich Seyboth, Osterhamer Leite 3, 83313 Siegsdorf [Sammlung Seyboth Nr. 235]. Zugangsdatum 08.08.2000 zusammen mit VK 2328 - VK 2350. Gebrauchsort: Fam. Solger, Nürnberg.
Während die Serinette durch komprimierte Luft Holz- oder Metallpfeifen zum Klingen bringt, werden bei Spieldosen unterschiedlich lange Zungen von Eisenkämmen in Schwingung versetzt. Zugeschrieben wird diese Erfindung dem Genfer Uhrmacher Antoine Favre-Salomon (1734 – 1820), der seine Entdeckung im März 1796 der dortigen „Société des arts“ präsentierte. In den folgenden Jahren entwickelte sich Genf zu einem Zentrum der Spieldosenproduktion, deren Erzeugnisse sich in unterschiedlicher Form und Ausstattung in den bürgerlichen Haushalten etablierten. Bis heute haben sie vor allem im Kinderzimmer einen festen Platz. Diese Spieldose ist in ein schlichtes Holzgehäuse eingebaut und mit einer vermutlich jüngeren Milchglasscheibe mit Sternendekor abgedeckt. Die Messingwalze enthält vier Melodien und bringt die 101 Zähne des Eisenkamms zum Schwingen. Unter dem Spielwerk befinden sich acht Schalenglocken eines schaltbaren Glockenspiels, das mit dem Ratschenaufzug der Uhrfeder im linken Gefache um 1860 aufgekommen ist. Nach einer vollständigen, 90 Sekunden dauernden Umdrehung der Walze stoppt das Werk automatisch und kann anschließend mit Hilfe eines Hebels auf die nächste Spielposition gebracht werden. (Markus Zepf/WidM)
Literatur
Wege in die Moderne. Weltausstellungen, Medien und Musik im 19. Jahrhundert. Hrsg. von Jutta Zander-Seidel, Roland Prügel. Ausst.Kat. GNM 2014. Nürnberg 2014, Kat.Nr. 520.
Weiterführend: Klangkunst. 200 Jahre Musikdosen. Ausst. Kat. Schweizerisches Landesmuseum. Hrsg. von Eduard C. Saluz. Zürich 1996.
Standort
13 Südbau, 1.UG, Depot (13.01.09)
Bearbeiter (Restaurierung)
Zustandsbeschreibung
Beschädigte Oberflächen.