TM75 - Grammophon; Trichtergrammophon - auditives Medium - Spielwaren-Fabrik Kämmer, Reinhardt & Co (Wissenschftl. Instr.-Waffen-Pharmazie)

Sammlung
Wissenschftl. Instr.-Waffen-Pharmazie
Inventarnummer
TM75
Allgemeine Bezeichnung
auditives Medium
Besitzverhältnis
Unbekannt
Name des Herstellers
Spielwaren-Fabrik Kämmer, Reinhardt & Co
Herstellungsdatum
um 1890
Herstellungsort
Waltershausen
Material und Technik
Grundplatte: Laubholz, lackiert, Apparatur: Eisen, vernickelt, Holzkurbel, Antriebsriemen Leder (erneuert), Trichter: Pappmaschee, schwarz, goldfarben lackiert, Winkelstück: Pappmaschée (erneuert);
Maße
H. 32,5 cm
B. 41,5 cm
Beschreibung
Grundplatte mit handbetriebenem Antriebsrad, Transmissionsriemen (erneuert), Zinkblechplatte als Tonträger, Abtastnadel und Schalldose mit originaler Membran, Schalltrichter aus Pappmaschee. Laufzeit etwa eine Minute.
Provenienz
Geschenk der Carl Lindström AG, Berlin, 1911
Provenienz
Emil Berliner (1851 – 1929) entstammte einer angesehenen jüdischen Familie aus Hannover und wanderte nach einer kaufmännischen Lehre 1870 in die USA aus. Dort beschäftigte er sich autodidaktisch mit physikalischen Problemen und konstruierte 1877 eine Trommelfellmembran, mit deren Hilfe Telefone große Distanzen überbrücken konnten. Vier Jahre später gründete er mit seinem jüngsten Bruder Joseph (1858 – 1938) die „J. Berliner Telephonfabrik“ in Hannover und widmete sich intensiv der Übermittlung und Aufzeichnung von Schallwellen. 1887 erhielt er in den USA und in Deutschland ein Patent auf ein Verfahren und einen „Apparat für das Registriren und Wiederhervorbringen von Tönen“ – das Grammophon war geboren. Ab 1889 produzierte die „Spielwaren-Fabrik Kämmer, Reinhardt & Co“ im thüringischen Waltershausen die handbetriebenen Geräte in Lizenz. Eingerichtet sind diese Grammophone für die Aufnahme und Wiedergabe von Schallwellen, die mit einer am 20. November 1889 patentierten Schalldose notiert und wieder ausgelesen werden können. Neue Wege beschritt Berliner in der Verwendung von einseitig bespielten Zinkblechplatten von 12,5 cm Durchmesser. Bei etwa 100 Umdrehungen pro Minute besaßen sie allerdings nur eine Laufzeit von rund einer Minute, womit sie in den ersten Jahren den Wachszylindern deutlich unterlegen waren. (Thomas Eser/ WidM)
Literatur
Wege in die Moderne. Weltausstellungen, Medien und Musik im 19. Jahrhundert. Hrsg. v. Jutta Zander-Seidel und Roland Prügel. Ausst. Kat. Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg 2014. Kat. 521
Herbert Jüttemann: Phonographen und Grammophone. Braunschweig 1979; S. 75-91
Weiterführend:
James R. Smart: Emile Berliner and Nineteenth-Century Disc Recordings. In: The Quarterly Journal of the Library of Congress 37, 1980, S. 422–440.
Martin Elste: Die goldenen Berliner Schallplattenjahre. In: Handwerk im Dienste der Musik. 300 Jahre Berliner Musikinstrumentenbau. Hrsg. von Dagmar Droysen-Reber. Berlin 1987, S. 100–108.
Peter Schulze: Die Berliners. Eine jüdische Familie in Hannover (1773–1943). In: 100 Jahre Schallplatte. Von Hannover in die Welt. Ausst. Kat. Historisches Museum Am Hohen Ufer Hannover. Hannover 1987, S. 75–82.
Christian Büchele: Geschichte der Tonträger. Von der Erfindung der Schallplatte zu den digitalen Medien. Begleitheft zur Ausstellung (Schriften der Universitätsbibliothek Eichstätt, 44) Tutzing 1999, S. 12-15.
Konservatorische Bedingungen
19-23 °C50% / +-5 rF50 lxgerahmtVitrine, abschliessbarKlimavitrine, abschliessbarAlarmsicherung der RäumeAlarmsicherung der VitrineAufsicht während der ÖffnungszeitenWache während der Schliesszeiten< 0.5 mW/m²
Restaurierungswerkstatt
Musikinstrumente
Bearbeiter (Restaurierung)
Georg Ott
Luise Richter
Status
erledigt
Anmerkungen
Vitrine