Material und Technik
Silber, geprägt.
Briefchen: Papier, Typendruck und Tinte, Umschlag geprägt und vergoldet.
Etui: Holz, bezogen mit geprägtem, goldgestempeltem Papier in Lederoptik, innen mit Samt ausgekleidet
Beschreibung
Vs.: Thronender Christus segnet links und rechts ein Kind. Darüber: ER SEGNETE SIE, darunter am Fuß des Podests Signatur: C. PFEUFFER FEC(it), am Rand: D. LOOS DIR(exit).
Rs.: Altar mit Kreuz, Abendmahlkelch, Bibel und Hostienteller. Darüber OFFENB. 2 V. 10, SEI GETREU BIS IN DEN TOD. Ringsum Palmenkranz mit darin verwundener Schlange.
Die Verwendung als wertvolles, ausdrucksstarkes Erinnerungsstück an wichtige Anlässe gehört zu den wesentlichen Zweckbestimmungen der Kunstform Medaille. Dies gilt nicht nur für Ereignisse des öffentlichen Lebens, sondern auch für solche im privaten Bereich. So werden beispielsweise anlässlich von Taufen seit der Frühen Neuzeit gerne Medaillen als Geschenk überreicht. In der Regel ist es der Pate, der sie dem Täufling als Wegbegleiter durch ein christliches Leben zueignet. Das Motiv einer solchen Medaille entspricht meist dem Anlass.
Das vorliegende Stück, das im 19. Jahrhundert in größerer Zahl und in verschiedenen Ausführungen (auch in Bronze) verbreitet war, ist ein typisches Beispiel dieses Brauchs. Es stammt von dem preußischen Hofmedailleur Carl Pfeuffer, der für die Berliner Prägeanstalt Loos tätig war, und zeigt neben dem segnenden Christus Motive aus der christlichen Liturgie.
Es macht den besonderen Reiz dieses Objekts aus, dass es zusammen mit dem Original-Etui und dem dazu gehörenden Patenbriefchen ins Museum übernommen werden konnte. Wie aus der Widmung hervorgeht, war die Medaille 1847 bei einer Taufe in Oberschlesien verschenkt worden.
Das Etui trägt in goldenen Lettern die Aufschrift „Zum Andenken d. 14. Sept. 1847 von A. Ruppelt“. Das Patenbriefchen dessen Umschlag geprägte und vergoldete Ornamente (ein Engel, eine Taufwasserschale, ein kniendes Kind, Rankenwerk, Kelche und Kreuze) zieren, enthält ein gedrucktes Gedichtblatt mit folgendem Text: „Innigst heut‘ mit Gott verbunden / Sei dir heilig jede Pflicht. / Und des Lebens kurze Stunden / Glänzen dir in Himmelslicht. // Lebe immer froh im Hoffen, / Frei von Sünde, frei von Schuld, / Und dir bleibt der Himmel offen, / Und dir bleibt des Vaters Huld. // Gedenke hierbei an [handschriftlich:] Deinen treuen Paten Emil Teichelmann. Neiße, den 14ten September 1847“.
Lit.: Klaus Sommer: Die Medaillen der königlich-preußischen Hofmedailleure Christoph Carl Pfeuffer und Friedrich Wilhelm Kullrich. Osnabrück 1986, S. 83 (P 142/1-2). – Weiterführend vgl. Hermann Maué: Münzen – Huldigungs-„Goldgulden“, Paten-„Taler“, Kerzen-„Dreier“, Rechen-„Pfennig“. In: Münzen in Brauch und Aberglauben. Hrsg. von Hermann Maué, Luwig Veit. Mainz 1982, S. 177–184.
Vgl. Anzeiger des GNM 2013, S. 257.